“RAG ist tot” – Was Karpathy wirklich gesagt hat

Mein LinkedIn-Feed ist gerade voll davon: Karpathys LLM Wiki und Milla Jovovichs MemPalace. Die Narrative: RAG ist endgültig tot, Markdown-Wikis sind die Zukunft des Unternehmenswissens.

Ich habe mir die Originalquellen angeschaut. Und das steht da gar nicht…

Was Karpathy tatsächlich schreibt

Sein GitHub Gist beginnt wörtlich mit: “A pattern for building personal knowledge bases using LLMs.”

Personal! Nicht Enterprise. Nicht Team. Nicht Organisation.

Seine Beispiel-Wiki: ~100 Artikel, 400.000 Wörter. Dazu sagt er: “I thought I had to reach for fancy RAG, but the LLM has been pretty good… at this small scale.”

Der entscheidende Teil: “at this small scale.”

Er nutzt Obsidian als Frontend – ein Personal Knowledge Management Tool. Kein SharePoint-Ersatz.

Ähnliches bei Mempalace:

Ein Open-Source MCP-Server für Claude Code Sessions. Die Zielgruppe laut GitHub: “AI-heavy developers” und “Indie hackers mining local chats.”

Im zugehörigen Gist steht explizit: “The original is single-user, single-agent.”

Einzelnutzer! Nicht Teams. Nicht Abteilungen.

Woher kommt dann der Hype?

Nicht von Karpathy oder Jovovich.

Er kommt von Startups, die ihre Enterprise-Produkte verkaufen wollen. E******* schreibt “RAG is Dead” – und bietet dann ihre Semantic-Graph-Lösung als Alternative an.

Er kommt von Content-Creators, die wissen: “RAG ist tot” generiert mehr Klicks als “Interessantes Personal-Productivity-Pattern”.

Er kommt von Leuten, die “LLM Wiki” lesen und sofort an Enterprise Knowledge Management denken.

Was das nun in der Realität bedeutet:

Ein Markdown-Wiki in Obsidian ist keine Lösung für:

– 200 Mitarbeiter mit unterschiedlichen Zugriffsrechten

– Millionen Dokumente in SAP, SharePoint und Legacy-Systemen

– Compliance-Anforderungen und Audit-Trails

– Real-time Updates über Abteilungsgrenzen hinweg

Karpathys Ansatz ist spannend für persönliche Produktivität. Aber ihn als “Enterprise Knowledge Management Revolution” zu verkaufen, verwechselt zwei komplett unterschiedliche Problemstellungen.

Die eigentliche Frage

Nicht: Welches Hype-Tool löst alle meine Probleme?

Sondern: Was ist mein konkreter Use Case, mein Datenvolumen, meine Governance-Anforderung – und welche Architektur passt dazu?

Manchmal ist das RAG. Manchmal ein Knowledge Graph. Manchmal ein Hybrid. Und ja, manchmal reicht ein gut strukturiertes Markdown-Wiki.

Aber “RAG ist tot” ist keine Analyse. Es ist Marketing.

Du willst herausfinden, welche Wissensarchitektur zu deinem Unternehmen passt? Schreib mir – ich diskutiere das gerne.